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Im Jahre 1879 entdeckte der deutsche Konsul Friedrich Carl LEHMANN eine ihm unbekannte Orchidee in Ekuador und sandte Herbarmaterial dieser Pflanze an Heinrich Gustav REICHENBACH nach Hamburg. REICHENBACH war zu dieser Zeit Professor für Botanik am damals noch existierenden Akademischen Gymnasium in Hamburg und zudem Direktor des Botanischen Gartens. Er sollte die Orchidee bestimmen und, sofern es sich um eine neue Art handeln sollte, gegebenenfalls neu beschreiben. REICHENBACH galt nach dem Tode von John LINDLEY 1865 (dem Vater der modernen Orchideenkunde) als der führende Orchideenexperte weltweit. Allerdings vermochte dieser nicht, eine Beschreibung der Orchidee vorzunehmen, da seiner Ansicht nach das Herbarmaterial dafür nicht ausreichend war. Ein Jahrzehnt später im Jahr 1890 sammelte LEHMANN am gleichen Standort in Ekuador noch einmal Exemplare dieser Orchidee, einige Pflanzen landeten in die Sammlung von Sir Trevor LAWRENCE in England, eine behielt er für sich . Da REICHENBACH mittlerweile verstorben war, beschrieb LEHMANN die Art schließlich selbst. Er schuf für diese außergewöhnliche Orchidee eigens die Gattung Gorgoglossum. Hier nahm er Bezug auf die Blütenlippe, deren Aussehen ihn an das Haupt der Gorgonen erinnerte, jene Gestalten aus der griechischen Mythologie mit Schlangenhaaren (Medusa sei hier als die wohl bekannteste genannt). Das griechische Wort gorgo bedeutet übersetzt furchtbar oder schrecklich, und bezieht sich ebenfalls auf diese Schreckgestalten. Das griechische Wort glossum bedeutet Zunge. Im Jahre 1897 wurde die Orchidee schließlich als Gorgoglossum reichenbachianum F. C. LEHMANN im Gardeners’ Chronicle von ihm selbst publiziert und beschrieben. Leider fehlte bei dieser Beschreibung die lateinische Diagnose und Angaben zur Pflanze selbst. Somit ist Gorgoglossum reichenbachianum F. C. LEHMANN ein nodum nudum (nackter/bloßer Name), und muss als ungültig betrachtet werden. Ein blühendes Exemplar der nach England gesandten Pflanzen gelangte 1898 zu Robert Allen ROLFE nach Kiew, der sie im gleichen Jahr im Bot. Mag. 124: t. 7576 (1898) korrekt beschrieb. Er ordnete sie in die von REICHENBACH 1871 begründete Gattung Sievekingia RCHB.f. ein, und benannte die Orchidee nach ihm. Sievekingia reichenbachiana LEHMANN ex ROLFE. REICHENBACH benannte die Gattung Sievekingia zu Ehren von Dr. Friedrich SIEVEKING, Bürgermeister von Hamburg (1861, 1862, 1865, 1868). 1914 löste Rudolf SCHLECHTER in seinem Werk „Die Orchideen 1: 381 (1914) die Art wieder aus der Gattung Sievekingia und publizierte jetzt auch eine gültige Beschreibung von Gorgoglossum reichenbachianum LEHMANN ex SCHLECHTER. Inzwischen ist aber der Wissensstand so, das ROLFE sie zu Recht in die Gattung Sievekingia RCHB.f. setzte.
Literatur: Rudolf SCHLECHTER: Die Orchideen, 3. Auflage - Beschreibung, Kultur und Züchtung. Herausgeber: F.G. BRIEGER, R. MAATSCH, K. SENGHAS - Parey Buchverlag Berlin 2002. Orchideenkartei Seite: 607 - 608, Beilage zu: Die Orchidee 41 (3) Mai/Juni 1990
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